Mehrsprachige Websites: URL-Strategie, hreflang und Übersetzung
Wie Sie eine mehrsprachige Website richtig aufbauen: i18n und l10n, URL-Strategien, hreflang mit x-default, Übersetzungsprozesse, RTL und SEO pro Markt.
von Alexander HerlingVeröffentlicht am 6 Min. Lesezeit
Eine mehrsprachige Website ist mehr als eine übersetzte Website. Sie muss in jeder Sprache gefunden werden, in jedem Markt verständlich sein und sich ohne doppelten Pflegeaufwand weiterentwickeln lassen. Mehrsprachige Websites und Apps gehören seit vielen Jahren zu unseren Kernleistungen. In diesem Beitrag fassen wir zusammen, worauf es in Konzeption, Technik und Redaktion ankommt.
Internationalisierung und Lokalisierung
Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden:
- Internationalisierung (i18n) ist die technische Vorbereitung: Die Software kann mit mehreren Sprachen, Schriftsystemen, Datums- und Zahlenformaten umgehen. Texte stehen nicht fest im Code, sondern in Übersetzungsdateien oder im CMS.
- Lokalisierung (l10n) ist die Anpassung an einen konkreten Markt: Übersetzung, aber auch Bilder, Beispiele, Maßeinheiten, Rechtstexte, Zahlungsarten und Ansprache.
Internationalisierung macht man einmal, möglichst früh. Lokalisierung macht man für jeden Markt. Wer i18n nachträglich einbaut, zahlt meist ein Vielfaches.
Die richtige URL-Strategie
Jede Sprachversion braucht eine eigene, dauerhaft gleiche URL. Sprachwechsel per Cookie oder JavaScript unter derselben Adresse sind für Suchmaschinen unsichtbar.
| Variante | Beispiel | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Unterverzeichnis | beispiel.de/en/ | Eine Domain, gebündelte Autorität, einfach zu betreiben | Weniger starkes lokales Signal |
| Länderdomain (ccTLD) | beispiel.fr | Starkes Ländersignal, Vertrauen vor Ort | Mehrere Domains, Linkaufbau pro Domain, höhere Kosten |
| Subdomain | en.beispiel.de | Technisch getrennt betreibbar | Wird oft wie eine eigene Website behandelt |
| URL-Parameter | beispiel.de/?lang=en | Kaum Aufwand | Von Google nicht empfohlen, fehleranfällig |
Für die meisten Unternehmen ist das Unterverzeichnis die beste Wahl. Länderdomains lohnen sich, wenn Sie in einzelnen Ländern eigenständig auftreten, etwa mit eigener Gesellschaft, eigenem Sortiment und eigenem Team.
Unterscheiden Sie dabei Sprache und Land. /en/ ist eine Sprachversion für alle Englischsprachigen. /en-gb/ und /en-us/ sind Länderversionen mit eigenen Preisen, Versandbedingungen oder Rechtstexten. Legen Sie Länderversionen nur an, wenn sich die Inhalte tatsächlich unterscheiden.
Auch die URL-Pfade selbst können lokalisiert werden: /leistungen/ auf Deutsch, /en/services/ auf Englisch. Das hilft Nutzern und der Suche, erfordert aber eine saubere Zuordnung der Seiten untereinander.
hreflang richtig einsetzen
hreflang-Angaben sagen Suchmaschinen, welche Seiten Übersetzungen voneinander sind und für wen sie gedacht sind. Google zeigt dann deutschen Nutzern die deutsche, britischen Nutzern die englische Version.
Ein Beispiel für den HTML-Kopf:
<link rel="alternate" hreflang="de" href="https://beispiel.de/leistungen/" />
<link rel="alternate" hreflang="en" href="https://beispiel.de/en/services/" />
<link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://beispiel.de/en/services/" />
Die Regeln, die in der Praxis am häufigsten verletzt werden:
- Gegenseitig: Jede Version verweist auf alle anderen und auf sich selbst. Fehlt der Rückverweis, ignoriert Google die Angabe.
- Korrekte Codes: Sprache nach ISO 639-1 (
de,en), optional Region nach ISO 3166-1 Alpha-2 (de-AT,en-GB).en-UKoderde-EUsind ungültig. - x-default: Bestimmt die Version für alle, die zu keiner Angabe passen, oft die englische Fassung oder eine Sprachauswahlseite.
- Canonical pro Sprache: Jede Sprachversion verweist im Canonical-Tag auf sich selbst, nie auf eine andere Sprache.
- Nur indexierbare URLs: Keine Weiterleitungen, keine 404-Seiten, keine
noindex-Seiten in hreflang-Sets.
hreflang lässt sich im HTML-Kopf, in HTTP-Headern (für PDFs) oder in der XML-Sitemap angeben. Bei großen Websites ist die Sitemap oft am leichtesten zu pflegen. Wichtig ist, dass Ihr System die Angaben automatisch aus der Zuordnung der Seiten erzeugt. Von Hand gepflegt, veralten sie schnell.
Ergänzend gehört in jede Seite das lang-Attribut im <html>-Element. Es ist vor allem für Screenreader und Browser wichtig, die damit Aussprache und Silbentrennung steuern.
Übersetzungsprozesse, die mitwachsen
Die größte Herausforderung mehrsprachiger Websites ist nicht der Start, sondern der Betrieb. Neue Seiten, geänderte Preise, aktualisierte Rechtstexte müssen in allen Sprachen ankommen.
Was sich bewährt hat:
- Ein führendes System. Inhalte liegen im CMS, Oberflächentexte in Übersetzungsdateien. Beide sind mit einem Übersetzungsmanagement-System (TMS) verbunden oder exportierbar.
- Glossar und Translation Memory. Fachbegriffe werden einmal festgelegt und überall gleich übersetzt. Bereits übersetzte Sätze werden wiederverwendet.
- Maschinelle Vorübersetzung mit Nachbearbeitung. Systeme wie DeepL oder große Sprachmodelle liefern heute brauchbare Entwürfe. Für wichtige Seiten sollte ein Muttersprachler mit Fachkenntnis prüfen und anpassen.
- Status pro Seite und Sprache. Redakteure sehen, welche Übersetzung veraltet ist, wenn sich das Original ändert.
- Kontext für Übersetzer. Screenshots oder Vorschau-Links verhindern Fehler bei kurzen Texten wie Buttons, deren Bedeutung ohne Kontext unklar ist.
Layout, Schrift und Formate
Textlänge. Deutsche und finnische Texte sind oft deutlich länger als englische. Buttons, Navigation und Tabellen müssen das aushalten. Testen Sie mit Pseudo-Lokalisierung: künstlich verlängerte Texte mit Sonderzeichen, die Layoutfehler sofort zeigen.
Rechts nach links. Arabisch, Hebräisch oder Persisch erfordern dir="rtl" und ein gespiegeltes Layout. Mit CSS Logical Properties (margin-inline-start statt margin-left) funktioniert ein Stylesheet in beide Richtungen. Icons mit Richtung, etwa Pfeile, müssen ebenfalls gespiegelt werden.
Schriften. Prüfen Sie, ob Ihre Webfont alle benötigten Zeichen enthält, auch Umlaute, polnische und tschechische Sonderzeichen oder kyrillische Schrift. Sonst mischt der Browser Ersatzschriften ein.
Formate. Datum, Uhrzeit, Zahlen, Währungen und Pluralformen unterscheiden sich je Sprache und Land. 1.234,56 € in Deutschland, €1,234.56 in Irland. Die eingebaute Intl-API der Browser und das ICU-Nachrichtenformat für Pluralregeln nehmen Ihnen hier viel Arbeit ab. Auch Adressen, Telefonnummern und Namensreihenfolgen folgen lokalen Konventionen und sollten in Formularen nicht zu streng validiert werden.
SEO pro Markt
Eine Übersetzung übernimmt die Keywords des Originals nicht automatisch. Menschen in Österreich suchen teils mit anderen Begriffen als in Deutschland, Briten anders als Amerikaner. Für jeden wichtigen Markt gehört dazu:
- eigene Keyword-Recherche in der Zielsprache
- übersetzte Title-Tags, Meta-Beschreibungen, Alt-Texte und strukturierte Daten
- lokale Signale: Adresse, Telefonnummer, Währung, Referenzen aus dem Markt
- Links aus dem jeweiligen Land, wo möglich
Bei Online-Shops kommen Währungen, Steuern und Versand hinzu. Wie das mit Shopify gelingt, beschreiben wir im Beitrag zur Internationalisierung von Shopify-Shops.
So starten Sie
Klären Sie zuerst, für welche Märkte und Sprachen Sie die nächsten drei Jahre planen. Daraus ergibt sich die URL-Strategie, die später nur mit hohem Aufwand zu ändern ist. Dann folgen i18n in Technik und CMS, der Übersetzungsprozess und schließlich SEO pro Markt. Wenn Sie dabei einen erfahrenen Partner suchen, finden Sie hier unser Angebot für mehrsprachige Websites und Apps.
Häufige Fragen
Sollte ich Besucher automatisch auf ihre Sprache umleiten?
Besser nicht zwangsweise. Zeigen Sie stattdessen einen dezenten Hinweis auf die passende Sprachversion und merken Sie sich die Wahl. Automatische Weiterleitungen nach IP oder Browsersprache können auch Suchmaschinen-Crawler daran hindern, alle Versionen zu sehen.
Reicht maschinelle Übersetzung für eine Website?
Für interne oder wenig sichtbare Inhalte oft ja. Für Startseite, Leistungs- und Produktseiten empfehlen wir maschinelle Vorübersetzung mit fachlicher Nachbearbeitung durch Muttersprachler, einschließlich der Keywords für den jeweiligen Markt.
Brauche ich hreflang, wenn ich nur zwei Sprachen habe?
Ja, hreflang lohnt sich schon ab zwei Sprachversionen. Es hilft Google, Nutzern die passende Version anzuzeigen, und verhindert, dass Sprachversionen als konkurrierende Seiten wahrgenommen werden.